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„Tronauer Kumedi“ in Pfungstadt

Am 27. Januar 2007 war der Tag unserer Premiere gekommen. Das Stück „Braut mit Auto“ von Stefan Heinz - Kehrer wurde zum ersten Mal von der Theatergruppe „Tronauer Kumedi“ aufgeführt, u. zw. in Pfungstadt, im Mühlbergheim.
Einen Tag davor hatten alle Darsteller bereits Urlaub und fanden sich ein zum Aufbau der Kulisse.
Die viele Arbeit, die Transporte aus Kandel, wo wir die Kulisse von einem Verein abgekauft hatten, das Lagern in Groß-Zimmern, das Tapezieren und Streichen, der erneute Transport nach Pfungstadt, das hatten wir bereits hinter uns. Nun wurde sie aufgestellt und die Traunauer Bauernstube wurde eingerichtet. Ein Küchenschrank, ein von Helmuth Petendra selbstgebauter Vesta-Ofen, eingeflochtene Stühle und ein grüner Hocker, auf dem die Waschschüssel, der Lavour steht, ein altes Radio, eine Wanduhr und Ofentücher, schöne genähte Tischdecken, eine Sodawasserflasche und viele Kleinigkeiten, die in einer Bauernstube nicht fehlen durften, hatten wir zusammengetragen.
Und als alles eingerichtet war, die „Fetzendecken“ auf dem Boden lagen und der Asparagus dastand, da wurde uns, die wir doch von Anfang an so viel Engagement in die Sache gelegt hatten, warm ums Herz.
Und als Krönung der Ausstattung brachte Helmuth das Fenster an, das er selbst gemalt hatte, und wie konnte es anders sein, man sah den Traunauer Kirchturm und das schöne rote Auto, um das es im Stück geht.
Auf die Stühle der Zuschauer im Saal hatten wir Rosmarin-Sträußchen mit Schleifchen dran verteilt, so war es doch in Traunau an großen Festen üblich.
Und dass es ein großes Fest wurde, dazu trugen auch die Siebenbürger Musikanten bei, die eine halbe Stunde vor Beginn mit schöner Musik auf den Theaterabend einstimmten, die Anwesenheit der Ehrengäste, und das waren 7 Damen und Herren aus dem HOG-Vorstand der Traunauer aus Wernau und Schwäbisch-Hall und als Krönung des Abends die Anwesenheit unseres früheren Traunauer Lehrers, Stefan Heinz-Kehrer, der, fast 94-jährig, alleine mit dem Zug aus Salzburg gekommen war, um sein Stück zu sehen.
Der Vorstand des Kreisverbandes der Banater Schwaben aus Darmstadt-Dieburg, Franz Wolf, begrüßte die Gäste, die sehr zahlreich erschienen waren, der Saal war bereits Wochen vorher ausverkauft und nach einer kurzen Ansprache der Regisseurin in Traunauer Dialekt hob sich der Vorhang.
Dass die Darsteller kein Lampenfieber hatten, das wäre leicht untertrieben, aber das verhalf ihnen möglicherweise dazu, so gut wie bisher noch nie zu spielen.
Und schon sehr bald hat man gemerkt, dass der Funke der Begeisterung ins Publikum übergeschwappt war, dass Applaus kam, an Stellen, die wir längst nicht mehr als lustig eingestuft hatten. Und als im 2. Akt das Auto nicht mehr sichtbar war, da ging ein Raunen durch den Saal „das Auto ist weg“. Das Publikum hat mitgefiebert und mitgebangt, dass unsere Hertha, die Braut mit Auto, auch ja den Richtigen bekommt.
Wir von der „Tronauer Kumedi“ haben unser Bestes gegeben, wir haben neben all der Liebe fürs Detail nicht vergessen, authentisch zu spielen und in unseren Rollen aufzugehen. Und an diesem Abend hat jeder der Darsteller neben einer fast perfekten Textbeherrschung auch Mimik und Gestik dermaßen passend eingesetzt, dass wir, ohne übertreiben zu wollen, zurecht sehr viel Lob bekamen und das Publikum uns mit viel Applaus bedachte.
Und als wir am Ende des Stückes Herrn Stefan Heinz-Kehrer auf die Bühne bitten konnten, da gab es sogar stehende Ovationen. Der Grandseigneur des Banater Theaters bestätigte uns, er hätte sein Stück noch nie so gut aufgeführt erlebt, und sagte, er hätte sich streckenweise gefragt, ob er das tatsächlich selber geschrieben hätte.
Blumen und Sekt gab es für die Darsteller, ein von Helmuth Petendra gemaltes Bild, das die Traunauer Dorfmitte darstellt, für den Autor.
Einige unserer Darsteller sind Musikanten und haben neben dem Theaterstück noch 2 Polkas gespielt, denn „Heirat’s Lissi“ und „Bierebaam“ sind bei Traunauer Veranstaltungen unentbehrlich. Und vor der Pause sang die Gruppe das Lied „Fresch un Grotte“. Szenisch begleitet wurde das Lied von zwei Buben und einem Mädchen in Traunauer Tracht, und Stefan Heinz-Kehrer hat es richtig eingeordnet und hat gesagt, er sieht im Mitwirken der Kinder den Ausblick in die Zukunft, den Fortbestand unserer Banater Tradition.
Die Siebenbürger Musikanten machten nach dem Stück eine weitere Stunde schöne Blasmusik, es wurde getanzt und erzählt.
Und am Sonntag um 15.00 Uhr fand eine 2. Vorstellung statt, mit fast identischem Ablauf und auch diese Vorstellung war ausverkauft und wir hatten ein wunderbares Publikum.
Möglicherweise führen wir das Stück noch öfter auf, aber am meisten freuen wir uns natürlich auf das Traunauer Heimattreffen in Wernau.

Waltraud Binschedler   

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